Die Mülltonne statt Rednerbütt: Alternative Fastnacht in Mainz

Neben der klassischen Saalfastnacht gibt es in Mainz eine lebendige Szene aus Kneipenfastnacht, Poltersitzungen und Kabarett.

Neben der klassischen Saalfastnacht mit Elferrat und Gardetanz gibt es in Mainz eine zweite Fastnachtswelt. Keine Prunksitzungen, keine Reimreden, kein Helau. Stattdessen Mülltonne statt Bütt, Poltersitzungen statt Prunksitzungen und Kneipenfastnacht statt Rheingoldhalle.

Die Drecksäck und ihr Erbe

Die Meenzer Drecksäck, 1995 gegründet und inspiriert von der Kölner Stunksitzung, waren der bekannteste Vertreter dieser Szene. Statt Helau rief das Publikum „Drecksack, Drecksack hoi, hoi, hoi!“. Das Maskottchen war eine Plüsch-Drecksau, die bei jeder Sitzung durchs Publikum flog. Nach 30 Jahren war in der Kampagne 2025/2026 Schluss. Nachwuchsmangel bei Rednern und Gruppen war einer der Gründe. Den Verein gibt es weiterhin.

Die Szene lebt

Der NÜV (Närrischer Überwachungsverein) veranstaltet „Poltersitzungen“ als bewussten Gegenentwurf. Der NÜV steht für subversive, selbstgemachte Fastnacht. In Mombach pflegt der MUCC die Kneipenfastnacht. Die Allerscheenste halten seit 1986 die Wirtschaftsfastnacht am Leben: vier Kappesitzungen pro Kampagne im Augustinerkeller, bis zu 80 Aktive im Clownskostüm, alles in Mainzer Mundart.

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