Warum die Ranzengarde früher 2 Zentner wiegen musste

Die älteste Fastnachtskorporation in Mainz verlangte ein Mindestgewicht von 100 Kilo und einen Taillenumfang von 1,50 Metern. Das hatte einen Grund.

Die preußische Armee verlangte von ihren Elitesoldaten eine Mindestgröße von 6 Fuß. Die Mainzer Ranzengarde drehte das 1837 um: Nicht 6 Fuß Körpergröße, sondern 6 Fuß Taillenumfang. Johann Maria Kertell gründete die Garde als bewusste Verspottung der preußischen Militärtradition. Die Aufnahmekriterien: ein Mindestgewicht von 2 Zentnern (rund 100 Kilo) und ein Taillenumfang von etwa 1,50 Metern. Der Name „Ranzen“ steht im Mainzer Dialekt für einen dicken Bauch.

Warum gerade die Preußen?

In der Bundesfestung Mainz war nach dem Wiener Kongress 1815 eine preußische Garnison stationiert. Die Mainzer erlebten den Militärdrill aus nächster Nähe. Strenge Uniformvorschriften, starre Hierarchien und eben die Mindestgröße von 6 Fuß. Die Ranzengarde kehrte all das ins Gegenteil: Statt schlanker Soldaten marschierten beleibte Bürger, statt militärischem Ernst regierte der Humor. Am Fastnachtssonntag 1838 marschierte sie zum ersten Mal mit 37 Mann.

Die Mutter aller Mainzer Garden

Aus der Ranzengarde gingen im 19. Jahrhundert zahlreiche weitere Garden hervor. Heute hat der Verein zwischen 900 und 1.000 Mitglieder. Das Mindestgewicht wird nicht mehr kontrolliert. Die Gardisten tragen aber weiterhin die traditionellen Uniformen mit weißer Hose, blauem Rock und Dreispitz.

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